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Das konnte kein Zufall sein! Exakt am närrischen Datum, am 11.11. kam Jürgen Becker aus der Karnevalsprovinz Köln in die Duisburger Karnevalshochburg, in den Steinhof. Vor ausverkauftem Haus präsentierte der Gastgeber der bekann- ten WDR-Kabarettsendung "Mitternachtsspitzen" sein neues Programm, ein Crash-Kurs in Sachen Kunst- und Kulturgeschichte: "Der Künstler ist anwesend". Auf einer Vernissage kann die Anwesenheit des Künstlers gefährlich werden. Als Schöpfer seines Werkes ist er wie Gott. Anbeten darf man ihn, aber um Himmels Willen nie zu seinem Bild befragen. Das soll für sich sprechen. Aber wenn es uns nichts sagt? Da kann es auch zu Missverständnissen kommen. Bei Installationen ist nicht die Toilettenarmatur gemeint und die rote Skulptur in der Ecke entpuppt sich als Feuerlöscher. Überhaupt, Vernissagen! Dort stehen schwarz gekleidete Lackaffen rum, andächtig Fingerfood essend, da ist auf jeder Beerdigung deutlich mehr Stimmung. Die Kunstszene und der Kult, Becker versteht es meisterlich, beides respektlos zu entlarven. Für seine "Vorlesung" hat Becker viele Kunstwerke mitgebracht. Werke von Max Ernst, Gerhard Richter, alte Meister von Michelangelo, Rubens und Goya, die er ausgiebig begutachtet. Er ist sich sicher, Kunst, Religion und Politik liegen dicht beieinander. Da gibt es vieles zu vergleichen und die Auswirkungen sind bis heute spürbar. Die Bundesgartenschau in Koblenz basiert auf Vorlagen aus dem alten Ägypten. Die Büste der Nofretete zeigte schon früh die Teilung Berlins. Die Rundbögen bauenden Römer bescheren der Welt heute noch ihre Triumphbögen, bis hin zum Triumphbüstenhalter. Schnell noch erklärt, wie der Gebildete sich die Säulenkapitelle besser merken kann und warum der Islam keine Perspektive hat. Gespickt mit Witz und Anekdoten, geht es weiter durch die Stilepochen. Ro- manik, das sind die dicken Wände, anders die Gotik, außen Rippchen, innen schmale Schenkel, eine sexy Architektur. So wie die Renaissance, da gibts viel Nackte in der Sixtinischen Kapelle. Der Barock ist üppig, voller Sinneslust und Orgien. Ach ja, es geht um die Arterhaltung. "Eva, ich bin so schlecht im Bett, das musst du erlebt haben!" Die gewiefte Anmache ist gar nicht ohne. Wussten Sie, dass Goya die erste Peepshow erfand? Was bedeutet der röhrende Hirsch auf dem Ölschinken eigentlich? Beckers kabarettistische Reise durch die Kunstgeschichte war fulminant! Ein klasse Abend. Das Publikum lobte mit viel Applaus. Das Lob gab Jürgen Becker sympathisch zurück. "Drink doch ene met", Freikölsch für alle auf der Bühne, vom Meister persönlich! 11. November 2011 www.steinhof-duisburg.de juergen-becker-kabarettist.de |
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