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      Jede Zeit macht ihre Helden. Das LWL Industriemuseum Henrichshütte Hatt-
      ingen zeigt dazu die Ausstellung "Helden. Von der Sehnsucht nach dem Beson-
      deren." Eine interessant inszenierte Schau, die die Geschichte der Heldenver-
      ehrung von der Antike bis zur Gegenwart erzählt. Der Ort der Ausstellung im
      Schatten des ältesten Hochofens im Revier ist passend gewählt. Vor 20 Jahren
      kämpften hier die Arbeiter der Henrichshütte gegen die Schließung und wurden
      selbst zu Helden des Arbeitskampfes gemacht.

      Helden: Wer wird dazu gemacht? Welche Eigenschaften und Taten befähigen
      den Mythos "Held" zu erfüllen? Warum werden sie gerade in Krisenzeiten und
      Zeiten des Wandels anscheinend besonders gebraucht? Gleich zu Anfang steht
      im Foyer der Gebläsehalle eine interaktive Wandinstallation. Hier werden Hel-
      denfiguren aus alter und neuer Zeit herausragende Eigenschaften zugeordnet.
      Die Schau auf 1.200 qm Fläche nimmt dann den Besucher mit auf eine chrono-
      logisch aufgebaute Reise durch die Jahrhunderte, vorbei an 850 hochkarätigen
      Exponaten von 180 Leihgebern aus Europa und Übersee. Beginnend in der Anti-
      ke grüßt Herkules. Die 3 m große Statue ist der Prototyp vieler Heldenfiguren.
      Der Heldentypus des Mittelalters sind Heilige und Ritter. Nationale Helden wie
      Siegfried der Drachentöter oder Hermann der Cheruskerführer werden im 19.Jh.
      verehrt. Kaiser Wilhelm I und Kanzler Bismarck werden ebenso zu Helden stil-
      isiert. Anfang des 20.Jhs. sehen sich Unternehmer gern in der Heldenpose, wie
      die Büste von Alfred Krupp zeigt. Gefeierte und gefallene Helden beider Welt-
      kriege dokumentiert auf bedrückende Weise ein düsteres Gräberfeld. Sportarten
      wie Boxen, Autorennen und Fliegerei haben in den 1920er Jahren Sporthelden
      wie den Boxer Max Schmeling hervorgebracht. Filmausschnitte der Olympischen
      Spiele 1936 zeugen davon, dass der Sport von der NS-Propaganda vereinnahmt
      wurde. Der Begriff Heldentum bekam da einen faden Beigeschmack. Das än-
      derte sich mit den "Helden von Bern", gerade in der Fußballwelt wurden neue
      Helden geboren. Das Bild des sozialistischen Helden zeigen Objekte aus der
      ehemaligen Sowjetunion und der DDR. Helden der Arbeit, die ihr Plansoll erfüll-
      ten. Ein Stahlträger des zerstörten World-Trade-Center sowie ein Helm eines
      Feuerwehrmanns, der am 11.September 2001 sein Leben verlor sind Beispiele
      für die Helden von heute. Diese Exponate sind erstmals außerhalb der USA zu
      sehen. Comic, Film und Cyberspace bieten Medienhelden, wie Superman, Lara
      Croft und Co. Auch die "Helden des Reviers" wie Tatort-Kommissar Schimanski
      oder Kultschauspielerin Tana Schanzara sind vertreten. Die Helden aus Film und
      Computerspielen werden an Bildschirmen und Hörstationen lebendig. Sicht-
      achsen und Durchblicke setzen Exponate aus verschiedenen Bereichen und
      Zeiten spannungsvoll zueinander.
      Die 1,6 Mio. EUR teure Schau soll Spaß machen, aber auch zur kritischen
      Auseinandersetzung mit dem Phänomen "Helden" anregen. Am Ausgang kann
      sich jeder wie ein Held fühlen: in der Videoinstallation "Standing Ovations" kann
      man sich bejubeln lassen.

      Über 1.300 Schüler in 40 Schulen des Ruhrgebietes arbeiteten fächerüber-
      greifend zum Thema "Helden", ein von der Landesregierung NRW gefördertes
      Begleitprogramm. Ihre Arbeiten sind z.T. in die Schau integriert. Alle Arbeiten
      der "Helden-Werkstatt" werden ab dem 17. April 2010 in eigener Ausstellung
      gezeigt.

      Ein beleitender Katalog (416 S.) ist im Klartext Verlag zum Preis von 24,95 EUR
      erschienen. Dazu ist ein Tagungsband (184 S.) für 19,95 EUR zu erwerben.

      www.helden-ausstellung.de
      www.helden-werkstatt.de
      Infos und Fotos zur Henrichshütte

      Laufzeit: 12. März bis 31. Oktober 2010