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      Aus dem Dunkel des Zuschauerraumes betritt Hagen Rether die grell erleuchtete
      Bühne. Ein Bürostuhl, ein Flügel, auf dem ein paar Bananen (???) liegen, ein
      Glas Wasser auf dem Boden in greifbarer Nähe stehend - mehr Requisiten sind
      nicht nötig. Keine Ablenkung. Die Aufmerksamkeit richtet sich allein auf Hagen
      Rether. Er freut sich, dass das Publikum auch noch im zweiten Anlauf erschie-
      nen ist. Im Oktober musste der Abend im Rahmen der Zollverein Konzertreihe
      wegen eines Fußbruchs des Künstlers abgesagt werden. Er überrascht mit lo-
      kalen Kenntnissen. Zollverein ist ein bisschen wie "Guantanamo in Katernberg".
      Die Essener kommen, sehen es sich an, um dann wieder in ihre Stadteile zu
      verschwinden. Er kennt sich aus. Als ehemaliger Student der Folkwang-Hoch-
      schule lebt er heute noch in Essen.

      Charmant, lässig lehnt er sich im Stuhl zurück. Vollkommen unaufgeregt und
      ohne Hast plaudert er über das Weltgeschehen. Doch Vorsicht, die Sätze sind
      geschliffen scharf! Der Programmtitel "Liebe" sollte nicht täuschen. Hagen Ret-
      her, mit dem Kleinkunstpreis 2008 ausgezeichnet, rechnet mit gesellschaftlich-
      em und politischem Tagesgeschehen respektlos ab. Spöttisch, ironisch demas-
      kiert er Politiker, Wirtschaftsbosse, Funktionäre, Talkmaster, Papst und Kirche.
      Dazu putzt er hingebungsvoll das Piano, als ob er dem Publikum nicht nur ein
      streifenfreies Instrument vorführen, sondern ebenso der Gesellschaft den blitz-
      blanken Spiegel vorhalten möchte.

      Er erklärt den täglichen Irrsinn. Mit respektlosem Zynismus enthüllt er Heuche-
      lei, Angstmacherei und Ungerechtigkeiten. Souverän begleitet er seine Texte mit
      Improvisationen am Piano. Grönemeyers genuschelter Song "Wann ist der Mann
      ein Mann?" erhält eine ganz andere Qualität. Das "Vater Unser" dichtet er ge-
      konnt zum Gebet einer bigotten Gesellschaft um. Zum Wiegenlied "Schlaf´
      Kindlein, schlaf´" wird das Publikum nach drei Stunden intelligentem Kabarett
      vom Feinsten höchst angeregt entlassen.

      Früher habe er um 22 Uhr enden müssen, da die Menschen noch Arbeit hatten,
      so Hagen Rether, bald könne er durchspielen.

      Datum:21. Dezember 2009

      www.hagen-rether.de
      www.zollverein.de