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Solange Menschen auf der Erde leben wird es auch immer Kriege geben. Die ganze Wahrheit wird aber selbst in den diversen Medien nie wirklich wieder gegeben. Deswegen bedarf es Journalisten, die hart an der jeweiligen Front arbeiten, teilweise eingebettet in die Streitkräfte, aber auch oft auf eigene Faust unterwegs. Sie bilden mit ihren Kameras das ab, was wir uns fernab kaum vor- stellen können, sehr viel Leid und Gewalt. Eine dieser Heldinnen, die oft ihr Leben riskieren, ist die Ostwestfälin Anja Niedrighaus. Ihre Fotos direkt aus den Hot Spots der Auseinandersetzungen sind nun in der sehenswerten Ausstellung "Anja Niedringhaus - 20 Jahre Fotografie aus Kriegsgebieten" in der Situation Kunst in Bochum-Weitmar zu bewundern. Irgendwann war es ihr die Lokalpresse in Göttingen zu eng und sie begab sich in den 1990er Jahren in den Balkankrieg. Hier erlebte sie erstmals die ganze Palette der Gewalt. Selbst Scharfschützen hatten dort auf sie gezielt, aber letztendlich nicht abgedrückt. Sie erfuhr es von ihnen im Nachhinein. Da Anja Niedringhaus mit ihrer Erfahrung stets das kontrollierte Risiko sucht, sind ihre Fotos meist einen Tick besser als die ihrer Fotokollegen. Ihre Fotos bekommen durch die schnelle Erfassung des Moments und den richtigen Bildausschnitt einen künstlerischen Anspruch, der museal trägt. 80 ihrer eindrucksvollen Fotos sind in Bochum zu sehen, darunter auch Eindrücke aus Albanien, dem Gaza- Streifen, dem Irak und aus Afghanistan, viele davon in harten Kampfeinsätzen. Besonders gefährlich war es zuletzt in Libyen, wo sie nur knapp den Soldaten Gaddafis entkam. Großes Glück hatte sie auch in Afghanistan, als eine Splittergranate sie verletzte. Berühmt ist ihr Foto von George W. Bush, der überraschend im Irak auftauchte und mit einem nicht verzehrbaren Truthahn und Plastikobst vor den Soldaten posierte. Viele Stunden Wartezeit hat sie dieses Foto gekostet. Es ging um die Welt. Ihre Fotos zeigen neben den Soldaten, Toten und Verwundeten auch immer die menschliche Seite der Zivilbevölkerung, für die sie große Sympathie empfindet. Dabei sind die abgebildeten Menschen nicht nur bloß Motive, son- dern auch Schicksale, deren Weg sie manchmal weiter verfolgt. Einen schwer verwundeten amerikanischen Soldaten, der ihr im Hubschrauber begegnet ist, hat sie in einer Reha-Klinik in den USA letztens aufgesucht und ihm die Fotos seiner Verletzung gezeigt. Dieser Soldat schöpft aus dieser Begegnung heute wieder neuen Lebensmut. Diese bitteren Stunden seines Lebens sind ihm nun wieder präsent. Sie würde gerne auch Schicksale von Zivilisten verfolgen, doch viele von ihnen werden umgekommen sein. Die Bundeswehr in Afghanistan ist in der Ausstellung lediglich mit zwei Fotos vertreten. Eines davon zeigt einen deutschen Wachsoldaten mitten in der Wüste auf einer Schlafpritsche sitzend, während er mit einer Kerze seinen still und einsam seinen Geburtstag feiert. Deutsche Soldaten müssen ihre amerikani- schen Schutzwesten und -brillen übrigens selbst bezahlen. Im Notfall retten müssen sie dann wieder die Amerikaner, da kein geeigneter deutscher Helikop- ter existiert. Dafür wird das deutsche Kriegsgerät tatsächlich von eingeflogen TÜV-Prüfern aus der Heimat technisch abgenommen oder ggf. stillgelegt, eben typisch deutsch. Dafür hat das Bundeswehr-Camp die beste Kantine des Landes. Die Bundeswehr als Realsatire in Afghanistan. Die s/w-Fotos von Anja Niedringhaus sind wirklich sehenswert und bewegend. Sie zeigen das wahre Kriegsgeschehen, auch wenn sie die noch heftigeren Fotos zu Hause gelassen hat. Es ist auch so schon erschütternd, Dinge, die wir hier gar nicht oder kaum wahrnehmen. Der ebenso sehenswerte Katalog "Anja Niedringhaus - At War" ist zur Ausstel- lung im Verlag Hatje Cantz erschienen und im Museum erhältlich. Laufzeit: 21. Januar bis 15. April 2012 www.situation-kunst.de |
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